Interview mit Patrik Baboumian Teil 4
Fragen zur veganen Sporternährung: Interview mit Patrik

Hast du irgendwelche veganen Lieblings-Ersatzprodukte für Fleisch, Käse usw. oder hältst du nichts von solchen Produkten?

Ich benutze Ersatzprodukte für Käse, Fleisch und ähnliche Sachen. Außerdem verwende ich gerne viel Tofu. Damit mache ich mir dann so etwas wie Hähnchen süß-sauer mit Reis und verwende statt Hähnchen dann eben Tofu.

Das ist im Grunde genau das gleiche süß-sauer Gericht wie im Original, nur eben mit Tofu. Der Grund, warum ich das tue ist ganz einfach: Ich bin aus ethischen Gründen Veganer und das bedeutet eben nicht, dass ich so ein süß-sauer Gericht nicht trotzdem lecker finden kann. Dementsprechend benutze ich dann eben solche Sachen. Wie gesagt: Tofu finde ich recht praktisch. Alternativ gibt es auch Soja Texturate, welche ich auch sehr gerne verwende. Zudem vertrage ich das ganze Zeug recht gut, auch Sojaprodukte usw.

Wer vielleicht ein bisschen Probleme mit der Verträglichkeit hat, der sollte es mal mit Tempeh versuchen. Tempeh ist fermentiert und dementsprechend auch besser verträglich. Was Käse angeht: Da gibt es ganz viele verschiedene, sehr gute Käseersatzprodukte. Worauf ich ziemlich stehe, ist Cashewkäse. Cashewkäse ist momentan mein absoluter Favorit und kommt bei uns z.B. auch auf die Pizza drauf.

 

Wie kann es mir gelingen, mich eine Woche oder mehr vegan zu ernähren?

Das ist eine sehr allgemein gefasste Frage. Die Frage wäre hier: Wo ist das Problem? Es ist eigentlich überhaupt kein Ding.

Wie könnten die Gerichte aussehen, ohne dabei Stunden in der Küche zu verbringen?

Dazu kann ich jetzt einfach mal ganz ohne Eigennutz unser Buch empfehlen – wenn man nicht unbedingt furchtbar auf schlanke Küche oder Ähnliches abfährt. In meinem Buch sind natürlich auch die Sachen drin, die ich persönlich esse. Wie man sieht, bin ich eher „vollschlank“ und dementsprechend sind das eben auch sehr nahrhafte Sachen.

Wenn einem das nichts ausmacht, dann kann man darin haufenweise richtig leckere vegane Rezepte finden, die nicht kompliziert sind und die man einfach nachkochen kann. Ansonsten findet man auch im Netz sehr viele gute Rezepte (wenn Ihr jetzt nicht unbedingt das Buch kaufen wollt) oder eben auch andere gute Bücher. Dass man „ewig in der Küche steht“, das ist wirklich ein komplettes Vorurteil. Die meisten veganen Produkte sind eigentlich leichter zuzubereiten, als tierische Produkte. Die Produkte verderben nicht so schnell und insofern ist das eigentlich sehr unkompliziert.

Was man halt wirklich machen muss ist: Sich wirklich zu informieren. Wer sich nicht informiert, macht es sich dann auch sehr schwer. Derjenige hat dann keinen Spaß dran, weil er eben nicht weiß: „Was kann ich essen und was nicht?“ und hat dann eben auch keine vernünftige Auswahl. Man sollte sich schon ein bisschen mit der Thematik auseinandersetzen, aber dann ist das wirklich easy. Vor allem wenn man eine Frau hat, die so lecker kocht – wie ich. 

Video mit Patrik ansehen

Gibt es das VegiFEEL Proteinpulver auch in größeren Packungen?

Soweit ich weiß, ist da etwas angedacht. Künftig wollen wir das vegane Proteinpulver ohne Soja auch in größeren Packungen anbieten, ich kann allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch keine 100%ige Antwort darauf geben. Trotzdem gehe ich davon aus, dass da in Zukunft noch was kommt.

Patrick, mich würde interessieren, welche negativen Stoffe in Soja enthalten sind, die Tempeh nicht mehr enthält. Danke im Voraus!

Es gibt zwei Sachen, die man hier nennen kann. Zunächst einmal würde ich nicht unbedingt von negativen Stoffen ausgehen, sondern eher von „problematischen Stoffen“. Nicht jeder Stoff, der problematisch sein kann muss unbedingt negativ sein. Dafür nenne ich euch an dieser Stelle mal zwei Beispiele, damit Ihr versteht was gemeint ist.

Auf der einen Seite gibt es Oxalsäure. Oxalsäure ist ein bisschen problematisch, allerdings nur für Leute, die bspw. dazu neigen, Nierensteine zu bilden, die auf Oxalat basieren (Oxalat-Nierensteine). Das ist längst nicht jeder, sondern nur eine kleine Gruppe in der Bevölkerung, die eben das Problem mit Nierensteinen hat. Solche Leute müssen dann bei Soja ein bisschen aufpassen, aber auch bei vielen anderen Sachen. Oxalsäure ist z.B. auch ein Problem bei Tomaten und in vielen anderen Lebensmitteln. Das wissen die Leute normalerweise auch.

Oxalsäure ist ein Stoff, der in Tempeh aufgrund der Fermentierung einfach reduziert ist. Ein anderer Stoff wäre z.B. das Phytat. Beim Phytat kann ich gut verdeutlichen was ich damit meine, dass ich die Bezeichnung „negativ“ etwas problematisch finde.

Phytat in geringen Mengen kann durchaus positive Effekte haben. Es macht eigentlich nichts anderes, als dass es gewisse Mineralien ausschwemmt (das ist eben auch das problematische an dem Stoff). Wenn dieser Effekt mild ist, kann das manchmal durchaus auch hilfreich sein. Insbesondere wenn man sich sehr reich an bestimmten Mineralien ernährt sowie in vielen anderen Kontexten kann Phytat in geringeren Dosierungen auch der Gesundheit zuträglich sein. In großen Mengen kriegt man jedoch einfach das Problem, dass man sehr viele Mineralien verliert und das ist natürlich nicht zielführend. Man möchte in der Regel, dass die Mineralien im Körper bleiben. Sowohl das Phytat, als auch die Oxalsäure sind aufgrund der Verarbeitung nur sehr stark reduziert im Tempeh enthalten. Die beiden Stoffe sind zwei gute Beispiele für Sachen, die eben im Tempeh sehr reduziert sind.

Wie oft und wann genau trainierst du? 5 Tage die Woche oder täglich? Lieber morgens, mittags oder abends?

Wenn ich trainiere, dann bevorzugt abends. Das hängt einfach damit zusammen, dass ich über den Tag verteilt abends meine beste Form habe. Ich trainiere teilweise auch relativ spät bis in die Nacht hinein. Zudem können meine Trainingseinheiten manchmal auch relativ lange ausfallen, da ich oftmals viele Sachen zusammenpacke und auch sehr viel Zeit zum Aufwärmen benötige. Das kann also auch mal mehrere Stunden dauern.

Außerdem kann die Häufigkeit des Trainings sehr stark schwanken, je nach dem, in welcher Phase ich mich gerade befinde. Es kann sein, dass ich 4-5mal die Woche trainiere. In anderen Phasen kann es aber auch mal soweit reduziert sein, dass ich nur 2mal die Woche trainiere. Momentan z.B. bin ich in einer Phase, wo ich versuche dem Körper wieder ein bisschen mehr Ruhe zu gönnen und trainiere daher nur 2mal die Woche.

Du empfiehlst Leinöl als Omega-3 Quelle. EPA und DHA sind im Leinöl nicht direkt vorhanden, sondern müssen erst vom Körper synthetisiert werden. Lässt du dich selber auf EPA und DHA testen? Was ist deine Meinung zu der Thematik?

Ich lasse mich circa 1mal im Jahr auf alle möglichen wirklich relevanten Sachen testen. Bis jetzt sind eigentlich alle Marker im Blut, die eben Omega 3 angehen vollkommen in Ordnung. Ich bin allerdings auch nicht so hysterisch, was das angeht. Gerade was EPA und DHA angeht hab ich vieles auch in meinem Buch beschrieben.

Sehr merkwürdig sieht das Ganze aus, wenn man sich die ganzen Studien dazu anschaut. Ein ganz großer Teil der Forschung ist wirklich so, dass man das Gefühl bekommt, dass es nur darum geht Fischöl irgendwie anzupreisen. Das liegt daran, dass Fischöl ursprünglich eben die einzige Quelle war, um an EPA derart ranzukommen. Das Ganze geht zurück auf mehrere Studien mit den angeblich so herzgesunden Eskimos, die aber heute alle falsifiziert sind. Die ganzen Statistiken sind ziemlich für die Tonne und entsprechend verzerrt. Weder sind die Eskimos besonders herzgesund, noch scheint Fischöl da eine besondere Rolle zu spielen, noch ist Fischöl heute die einzige vernünftige Quelle für DHA und EPA. Wenn man unbedingt auf Nummer sicher gehen möchte und dem Körper fertiges EPA und DHA geben will, dann kann man Algenöl benutzen.

Es gibt mittlerweile verschiedene Algenöle auf dem Markt, die man nutzen kann oder eben auch Präparate, welche die Stoffe enthalten. Trotzdem mache ich mich da, wie gesagt, nicht verrückt. Ich gehe davon aus, dass der Körper sich das was er braucht selber zusammenbauen kann, wenn man sich einigermaßen vernünftig ernährt. Wie das geht, das findet man auch in einschlägigen Quellen. Ich beschreibe das auch in meinem Buch. Das hat ein bisschen was damit zu tun, welches Verhältnis gesättigte und ungesättigte Fettsäuren und Omega 3 sowie Omega 6 Fettsäuren zueinander haben. Das würde an dieser Stelle zu weit führen, sodass wir hier sonst nicht alle Fragen unterkriegen.

Wie sieht es aus mit den Golem Bags?

Die Golem Bags waren für Ende des Jahres 2015 versprochen. Wir haben ja jetzt 2016 und sie sind immer noch nicht da, ich gebe mir aber die größte Mühe. Das Problem ist: ich hatte eigentlich schon einen fertigen Hersteller usw., aber er hat die Bags nicht in der Qualität hinbekommen, wie ich sie haben möchte.

Ich möchte am Ende wirklich ein Produkt haben, das langlebig ist und wo ihr auch wirklich Spaß dran habt. Bis jetzt hab ich leider noch nicht wirklich den Hersteller gefunden, der das so fertig bekommt, wie ich das gerne haben möchte. Trotzdem gebe ich mir die allergrößte Mühe, so schnell wie möglich soweit zu sein. Sobald ich konkret weiß was Sache ist, werde ich das ganze posten und ihr bekommt das dann mit.

Hättest du Lust auf ein Strongman Training mit Karl Ess?

Ich hab immer Lust auf ein Strongman Training, egal mit wem. Wenn Karl mal irgendwie in der Nähe ist, können wir da gerne drüber reden, Ralph.